Zahlen Deutschlands Verbraucher zu hohe Strompreise? Die Grünen erheben jetzt schwere Vorwürfe gegen die Energiekonzerne: Die Unternehmen hätten die Kunden um eine Milliarde Euro geprellt.
Berlin, 03.08.2010. Schon lange hatten die Grünen den Verdacht, nun sehen sie sich bestätigt: Die Ökopartei wirft den Stromkonzernen vor, Verbraucher um eine Milliarde Euro geprellt zu haben. So waren die letzten Strompreiserhöhungen laut einem Gutachten der Partei keinesfalls gerechtfertigt, sagte die Vize-Fraktionsvorsitzende der Grünen, Bärbel Höhn, am Dienstag im Deutschlandfunk.
Da die Preise an der Leipziger Strombörse in den vergangenen zwei Jahren um bis zu 40 Prozent gesunken seien, wäre eher eine Reduzierung der Entgelte notwendig gewesen, erklärte die Politikerin weiter.
Durchschnittlich 0,8 Cent pro Kilowattstunde an geringeren Beschaffungskosten hätten die Konzerne nicht an ihre Kunden weitergegeben, heißt es in der Analyse, aus der die “Saarbrücker Zeitung” zitiert. Bei einem gesamten Absatz in Deutschland von rund 131 Milliarden Kilowattstunden ergebe sich daraus folglich die Summe von einer Milliarde Euro, die den Verbrauchern vorenthalten würde.
Auch anfallende Kosten durch die Umlage für Erneuerbare Energien sei kein Argument für diese versteckte Preissteigerung, sagte Höhn weiter. Sie werde von den Ersparnissen an der Strombörse kompensiert. Die Erneuerbare-Energien-Umlage wird auf den Strompreis draufgeschlagen. Über sie beteiligen sich Verbraucher und Unternehmen am Ausbau alternativer Energiequellen wie Solar- und Windkraft. Wer Strom aus solchen Quellen in die Netze speist, bekommt dafür Geld – das durch die EEG-Umlage bereitgestellt wird.
Der Energieverband BDEW wehrte sich am Dienstag gegen die Vorwürfe. Die Unternehmen stünden in einem harten Wettbewerb um Kunden, sagte die Verbandsvorsitzende Hildegard Müller. “Keiner kann es sich erlauben, überhöhte Preise zu verlangen.” Konkretes zu der Studie sagte Müller jedoch nicht.
Schwere Vorwürfe gegen RWE
Die Sprecherin für Energiewirtschaft der Grünen-Bundestagsfraktion, Ingrid Nestle, griff insbesondere den Stromkonzern RWE an. Dieser missbrauche die Erneuerbaren Energien als Argument für Preiserhöhungen. “Tatsächlich aber macht die Preiserhöhung nur die Stromproduktion in den Atomkraftwerken noch lukrativer”, sagte die Grünen-Politikerin dem “Handelsblatt”.
Zugleich blockiere die Fixierung auf die Kernkraft den Ausbau der Erneuerbaren Energien. RWE erziele mit seiner jüngsten Preiserhöhung Mehrerlöse von 100 Millionen Euro.
RWE hatte Mitte Juni für etwa zwei Millionen Haushaltskunden in der Grundversorgung Strompreiserhöhungen um 7,3 Prozent oder 1,5 Cent je Kilowattstunde zum 1. August angekündigt. Das Unternehmen hatte diese Erhöhung mit gestiegenen Beschaffungskosten und mit der gestiegenen Umlage für die Förderung der Erneuerbaren Energien begründet.
Für die Grünen ist daher klar: Die Monopolstellung der großen Konzerne muss aufgehoben werden. Nur so könnten weitere unbegründete Preiserhöhungen vermieden werden, sagte Höhn. Dazu sei es notwendig, am Ausstieg aus der Atomenergie festzuhalten.
Quelle: Spiegel online Wirtschaft, 03. August 2010
Foto: dpa
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