Mit Trauer und Anteilnahme haben Politiker und Weggefährten auf den Tod des Grünen-Politikers Sepp Daxenberger reagiert. Der frühere Fraktionschef und Bürgermeister von Waging war in der vergangenen Nacht im Alter von 48 Jahren an Krebs gestorben – drei Tage nach dem Tod seiner Frau.
Gertraud Daxenberger hatte mit 49 Jahren den Kampf gegen den Krebs am Sonntag verloren, in der Nacht auf Mittwoch auch ihr Mann. Das Paar hinterlässt drei Söhne im Alter von 20, 17 und 12 Jahren. Seine Frau wird heute Nachmittag beigesetzt, Daxenbergers Beerdigung findet am kommenden Samstagvormittag ebenfalls in Waging statt.
Politiker und Weggefährten zeigten sich sehr betroffen über den Tod von Daxenberger. “Wir sind unendlich traurig”, teilten die Grünen-Bundesvorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir in Berlin mit. Daxenberger sei ein “ganz außergewöhnlicher, herzenswarmer Mensch” gewesen. Die Landeschefin der Grünen, Theresa Schopper, war ebenfalls tief bestürzt. Der Tod Daxenbergers bedeute nicht nur einen Verlust für die Politik, sondern auch für sie persönlich. Ihr früherer Kollege habe in Bayern politisch neue Maßstäbe gesetzt. “Er ist nach draußen gegangen und hat die Leute begeistert”, so Schopper. Ihr Statement vor der Presse schloss sie mit den Worten: “Ich möchte ihm noch mit auf den Weg geben: Er hat ein Herz gehabt wie ein Bergwerk. Servus, Sepp!”
“Selbstbewusst, kantig, willensstark”
Nachrufe
Sepp Daxenberger ist tot – Einer, der sich nicht verbiegen ließ
Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sprach von einer “Tragödie, die sprachlos macht”. Mit Daxenberger habe Bayern “einen Politiker aus innerster Überzeugung und tiefster Leidenschaft verloren”. Daxenberger sei eine Persönlichkeit gewesen, wie sie typischer für Bayern nicht sein könne – “selbstbewusst, kantig, willensstark und erfüllt von seiner tiefen Liebe zu seiner oberbayerischen Heimat. Ich habe den Menschen Sepp Daxenberger sehr gemocht und den Politiker außerordentlich geschätzt”, so Seehofer weiter.
Seehofers Parteikollegin Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtags, sagte, Daxenberger und seine am Sonntag verstorbene Frau hätten stets gekämpft, untereinander, füreinander und vor allem für ihre Familie. Sie habe stets bewundert, mit welcher Würde Daxenberger seine Krankheit ertragen habe. Er sei pflichtbewusst bis zuletzt gewesen, ein bodenständiger Politiker, eine politische Persönlichkeit, stark in seiner Heimat verwurzelt, so Stamm. CSU-Fraktionschef Georg Schmid sprach von einem tragischen Verlust für ganz Bayern. Daxenberger sei ein “über die Parteigrenzen hinweg ein äußerst beliebter und angesehener Kollege mit Herz und Verstand” gewesen.
“Ihm gebührt unser aller Dank”
Der SPD-Landtagsfraktionsvorsitzende Markus Rinderspacher würdigte Daxenberger als einen der “profiliertesten bayerischen Grünen. Wir trauern um einen menschlichen, bodenständigen, zuverlässigen und kämpferischen Kollegen”, so Rinderspacher. Sein Fraktionskollege Peter Paul Gantzer sagte, er sei tief getroffen und bedauere den Tod seines politischen Weggefährten. Mit Daxenberger habe man gut zusammenarbeiten und auch lachen können. Der Fraktionschef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, würdigte den verstorbenen Grünen-Politiker als “Menschen, den man nur mögen konnte”. Daxenberger habe Bayern “im positiven Sinne bewegt, und dafür gebührt ihm unser aller Dank”.
Sepp Daxenberger - Ein Leben zwischen Triumph und Tragik
“Die Leute haben sehr schnell respektiert, dass der Daxenberger Sepp einer ist, der nicht nur redet, sondern auch handelt”, sagte der grüne Politiker über sich. Als Fraktionsvorsitzender kämpfte er gegen Intoleranz, Milchpreis und CSU, abseits davon gegen seine Krankheit. Eine Rückschau von ihm selbst. [Mediabox] –
Erster hauptamtlicher Bürgermeister der Grünen in Bayern
Das Leben und Wirken Daxenbergers war tief verwurzelt in seiner oberbayerischen Heimat: Im Alter von 24 Jahren übernahm der gelernte Schmied den elterlichen Bauernhof im Ortsteil Nirnhartig in Waging am See und wurde Biobauer. 1990 zog er für die Grünen in den Landtag ein. 1996 gelang Daxenberger beim Schritt in die Lokalpolitik die Sensation: Er setzte sich bei der Kommunalwahl gegen den CSU-Kontrahenten durch und wurde Bayerns erster grüner Bürgermeister. Bei seiner damaligen Kandidatur fuhr die CSU schweres Geschütz auf: Peter Gauweiler kam nach Waging, um die angeblich finsteren Pläne des Grünen offenzulegen. Doch die Waginger kannten ihren Sepp, aus dem Fußballverein genauso wie von der Freiwilligen Feuerwehr, und so wurde Daxenberger der erste grüne Bürgermeister Bayerns. Zwölf Jahre lang stand er dem 6.500-Einwohner-Ort vor. Er machte Waging zu einem ökologisch orientierten und schuldenfreien Ort.
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Sepp Daxenberger – Der grüne “Guerillero” aus Waging
In seiner Partei hatte er ab 2002 den Landesvorsitz inne. Nach seinem erneuten Einzug in den Landtag 2008 gab er dieses Amt auf. Aufgrund seines Wahlerfolgs von 26,5 Prozent der Erststimmen bei der Landtagswahl machten die Grünen Daxenberger zum Nachfolger von Sepp Dürr als Fraktionschef. Als “grüner Guerillero” wurde er tituliert und als schillerndster Politiker seiner Partei. Dabei hatte Daxenberger mit Glamour nie etwas am Hut – der Biobauer wurde aufgrund seiner starken Verwurzelung in seiner Chiemgauer Heimat als “bayerisches Urviech” bezeichnet. Er war wertkonservativ und regelmäßiger Kirchgänger. Der Beschluss der Parteibasis, gegen Kruzifixe in bayerischen Schulzimmern vorzugehen, behagte ihm nicht.
Diagnose Krebs bei Daxenberger und seiner Frau
Im Dezember 2003 diagnostizierten Ärzte ein Plasmozytom, eine Mischung aus Leukämie und Knochenmarkkrebs, bei dem Ein-Meter-neunzig-Mann. Nach Chemotherapie und Stammzellenbehandlung kämpfte er sich zurück. 2006 allerdings der erste schwere Rückfall. 2007 hieß es nach monatelanger Behandlung, dass der Krebs in seinem Körper nicht mehr nachweisbar sei. Doch die Besserung war nicht von Dauer, denn mit seinem schlechten Gesundheitszustand begründete er seinen Rücktritt vom Chefposten der Grünen-Fraktion im Landtag am 9. Juni 2010. Die ständigen Arztbesuche kosteten Zeit, “aber vor allem Kraft und Energie”, begründete Daxenberger den Schritt. “Die Restenergie brauche ich für die Familie.” Ihm blieben nur noch wenige Wochen.
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